Spurenlegung
Was stellen wir uns vor, wenn wir uns vorstellen, wie es gewesen sein könnte?
Unter diesem Motto beschäftigen wir uns seit über 30 Jahren mit der Diskrepanz zwischen dem eigenen „Bedürfnis nach Erinnerung“ und der immer wieder öffentlich angemahnten „Pflicht zur Erinnerung“. In Theaterstücken, Performances, Aktionen und szenischen Lesungen sucht das TNT nach Möglichkeiten dieses Bedürfnis nach Erinnerung, das gefärbt ist von der Trauer um die Menschen, zu gestalten.
Für die Aktion „Spurenlegung“ begibt sich das TNT auf die Suche nach Spuren von Jüdinnen und Juden aus Marburg und dem Landkreis, die 1941 und 1942 in Ghettos und Vernichtungslager im Osten deportiert wurden. Diesen Spuren einzelner Menschen versuchen wir nachzugehen und sie in getippte Stolpersteine zu verwandeln.
Orte und Daten der Aktionen:
7. November 12.00 – 15.00 Uhr, Bahnhofsvorplatz
8. November 9.30 – 12.00 Uhr, Vorplatz Elisabethkirche
9. November 10.00 – 13.00 Uhr, Universitätsstraße (gegenüber Garten des Gedenkens)
Wir haben unseren sechszehnten Geburtstag nicht im Sammellager in Kassel verbracht.
Wir haben nicht alle unsere Kleider übereinander angezogen.
Wir haben keine Briefe aus dem Fenster von Viehwaggons geworfen.
Wir standen nicht in Viererreihen mit dem Rücken zum Zug.
Wir sind nicht bei minus 42 Grad im Ghetto in Riga angekommen.
Wir haben nicht die Flucht einer anderen Familie organisiert.
Was wir heute tun können, ist, von diesen Menschen zu erzählen, die das Ihrige getan haben oder tun mussten.