19

September

EVERY DAY WE DIE A LITTLE

1992
Theater – Installation – Aktion. No Story.
Ein Work-in-progress-Projekt für öffentliche Räume
Können Sie sich vorstellen, dass Sie zu einer der letzten Generationen gehören, in denen noch gestorben wird?
Wenn nein, warum nicht?
Wenn ja, sind Sie neidisch auf die, die nach Ihnen kommen?
Das 21. Jahrhundert läuft. Was kommt auf uns zu?
Die Beschleunigung gesellschaftlicher Entwicklungen lässt eigentlich keine sichere Prognose zur Zukunft des menschlichen Lebens zu. Eine Vorhersage allerdings wollen wir wagen: In diesem Jahrhundert werden wir sterben!
Eine Banalität?  Ein heikles Thema? Ein Anlass zur Gelassenheit? Ein Skandal? Schicksal? Glück? Eine unabänderliche Tatsache?
Vielleicht lässt sich noch etwas machen: Bio – Engineering, Tissue – Engineering, Cell – Engineering, Body – Engineering. Vielleicht winkt die Unsterblichkeit?
Wenn der menschliche Körper auf modulare Art neu gestaltet wird, dann gibt es – die Verfügbarkeit von Ersatzteilen vorausgesetzt – technisch keinen Grund mehr für den Tod.
Für uns wohl zu spät. Vielleicht sind wir ja die letzten, die noch sterben! Sollten wir das feiern? Oder sind wir neidisch auf die, die nach uns kommen? Bedeutet sie uns etwas, unsere Sterblichkeit, diese „veraltete evolutionäre Strategie“?
Der Tod jedenfalls ist in der Zwickmühle. Die Zukunft arbeitet an seiner Abschaffung, die Gegenwart an seiner Ausgrenzung.
EVERY DAY WE DIE A LITTLE verknüpft assoziativ Fragen, Gedanken, Aktionen und Bilder zum Thema Sterblichkeit und Tod. Es skizziert und komponiert subjektive Strategien, Ahnungen, Befindlichkeiten, Erfahrungen und Geschichten.
EVERY DAY WE DIE A LITTLE nimmt sich Zeit. Fast vier Stunden Lebenszeit.
Wir würden uns freuen, wenn Sie diese Zeit mit uns verbringen.
Nehmen Sie sich einen Stuhl und suchen Sie sich Ihren Platz. Oder gehen Sie herum. Und wenn Sie zwischendurch einen Kaffee trinken möchten oder frische Luft schnappen, tun Sie es einfach.
Und wenn Sie Lust haben, kommen Sie wieder zurück. Wir sind da. Zumindest vier Stunden lang.
EVERY DAY WE DIE A LITTLE erkundet die “private Angelegenheit” Sterblichkeit und Tod und konfrontiert sie mit der Reibungsfläche des öffentlichen Raums.
Die Uraufführung fand während der Verkaufszeiten in einem seinerzeit leerstehen-den Glaspavillon innerhalb eines Shopping-Centers statt, zwischen Apotheke, Drogeriemarkt, Billardcafe, Fitnessstudio, Chinarestaurant und Schnäppchenmarkt.